Der Öcher Suurbrödem
Wenn es in Aachen kälter wird, kommt in vielen Familien und Restaurants ein Gericht auf den Tisch, das die Stadt kulinarisch prägt wie kein zweites: der Aachener Sauerbraten, im Öcher Platt liebevoll „Suurbrödem“ genannt. Zart geschmortes Fleisch in einer dunklen, süßlich-würzigen Soße, die ihre Raffinesse einer einzigen Zutat verdankt, die es nur in Aachen so gibt – der Aachener Printe.
Ein Gericht mit vielen Gesichtern
Sauerbraten ist grundsätzlich in vielen deutschen Regionen zu Hause – es gibt eine westfälische, eine badische, eine schwäbische und eine fränkische Variante. Was den Aachener Sauerbraten unverwechselbar macht, ist die Zugabe von zerbröselten Kräuterprinten zur Soße, die ihr eine tiefe, weihnachtlich anmutende Würze verleiht.
Früher wurde der Braten traditionell aus Pferdefleisch zubereitet – günstig, überall verfügbar und durch das lange Beizen in Essig zart und haltbar gemacht. Heute kommt fast ausschließlich Rindfleisch zum Einsatz, gerne ein Stück „von der Rolle“ oder das sogenannte Bürgermeisterstück, das von Natur aus zart ist.
Die Kunst der Beize
Das Herzstück des Sauerbratens ist die Beize: Das Fleisch wird mehrere Tage – traditionell bis zu einer Woche – in einem Sud aus Essig, Wasser, Zwiebeln, Möhren, Sellerie, Lorbeer, Wacholderbeeren, Nelken und Pfefferkörnern eingelegt. Diese lange Marinierzeit macht auch weniger zarte Fleischstücke mürbe und verleiht dem Gericht seinen charakteristischen säuerlichen Grundgeschmack, der später durch die Süße der Printen ausgeglichen wird.

Die Printensoße – das Aachener Geheimnis
Nach dem Anbraten wird das Fleisch mit dem gesiebten Beizsud abgelöscht und langsam geschmort. Zum Schluss kommt das Besondere: zerbröselte Aachener Kräuterprinten wandern mit in den Bräter und lösen sich beim Schmoren auf, bis eine dunkle, sämige Soße entsteht.
Traditionsbewusste Aachener binden die Soße zusätzlich mit geriebener rohen Kartoffel und schmecken sie am Ende mit einem Löffel Rübenkraut ab – Rosinen dagegen gelten in vielen Familien als verpönte Abweichung vom Original.
Serviert wird traditionell mit...
Der klassische Aachener Sauerbraten kommt in daumendicken Scheiben auf den Teller, großzügig mit der dunklen Printensoße übergossen. Dazu gehören in der rheinischen Tradition Apfelrotkohl und Kartoffelklöße oder selbstgemachte Buttermilch-Serviettenknödel. Wer es etwas leichter mag, reicht auch schlichte Salzkartoffeln dazu. Besonders in der Winterzeit, zwischen Herbst und Weihnachtsmarkt, steht der Sauerbraten in vielen traditionellen Aachener Restaurants auf der Karte.

Wo man ihn in Aachen bekommt
Wer den Öcher Sauerbraten nicht nur kennenlernen, sondern richtig gut essen möchte, ist im Postwagen Zum Ratskeller am Markt bestens aufgehoben. Wir waren selbst dort und können es aus eigener Erfahrung bestätigen: Dort wird das Fleisch 96 Stunden mariniert und sanft geschmort, die Sauce entsteht aus der Marinade und wird mit Aachener Printen verfeinert – genau so, wie es sich für einen echten Suurbrödem gehört. Dazu kommen würziger Apfelrotkohl und Kartoffelklöße, die in Bröselbutter geschwenkt werden.
Das Ergebnis ist kräftig, ausgewogen und klar regional – für uns einer der besten Sauerbraten, die man derzeit in Aachen bekommen kann.
Tipp:
Postwagen Zum Ratskeller
Krämerstraße 2 / Markt 40
Öcher Sauerbraten ca. 23,90 €
täglich 12–23 Uhr
Ein Gericht, das Generationen verbindet
Der Aachener Sauerbraten ist mehr als ein Rezept – er ist ein Stück gelebte Familientradition, oft über Generationen mit kleinen persönlichen Abwandlungen weitergegeben. Wer Aachen wirklich kennenlernen möchte, sollte sich in der kalten Jahreszeit ein Teller Suurbrödem mit Printensoße nicht entgehen lassen – am besten dort, wo Familienrezepte noch aus der eigenen Küche stammen.








