Ein Teufel, ein Bäckerjunge und Karls verlorenes Rezept
Dass die Aachener Printe eine EU-geschützte Spezialität mit einer gut belegten Napoleon-Geschichte ist, wissen viele Aachener. Weniger bekannt ist eine zweite, deutlich sagenhaftere Geschichte, die sich um die Entstehung des berühmten Gebäcks rankt – eine Legende, in der wieder einmal der Teufel eine Rolle spielt, diesmal aber mit einem überraschend süßen Ausgang.
Der große Stadtbrand von 1656
Die Printensage beginnt mit einer Katastrophe: dem großen Stadtbrand von Aachen im Jahr 1656, der weite Teile der Stadt in Schutt und Asche legte. Besonders bitter für die Aachener Bäckerzunft: Das verheerende Feuer war der Überlieferung nach ausgerechnet in einer Bäckerei ausgebrochen. Aus diesem Grund fühlten sich die Bäcker der Stadt in besonderer Verantwortung, beim Wiederaufbau zu helfen und der gebeutelten Stadt wieder auf die Beine zu helfen.
Ein Gelehrter, der keiner war
Inmitten der Aufbauarbeiten fiel einem aufmerksamen Bäckerjungen etwas Merkwürdiges auf: In einem in Aachen ansässigen Gelehrten erkannte er in Wahrheit den Teufel, der sich unter die Aachener gemischt hatte, um sich heimlich Zugang zum sagenhaften Domschatz zu verschaffen. Statt in Panik zu geraten, bewies der Junge Aachener Cleverness – ganz im Sinne der Stadt, die den Teufel schon einmal beim Dombau überlistet hatte.
Ein Handel um Karls verlorenes Rezept
Der Bäckerjunge bot dem als Gelehrten getarnten Teufel einen Handel an: Er werde ihm helfen, in den Besitz des Domschatzes zu gelangen – wenn der Teufel im Gegenzug verrate, wo sich die Begräbnisstätte Karls des Großen befinde. Der Sage nach war dort nämlich ein besonderes Geheimnis verborgen: das Rezept für ein Gebäck, das der Kaiser zu Lebzeiten über alles geliebt hatte und das ihm ins Grab mitgegeben worden war. So kam der findige Bäckerjunge – der Legende nach – an die Grundlage für das Gebäck, das seither als Aachener Printe die ganze Stadt verzaubert.
Sage trifft Wirklichkeit
Historisch belegt ist diese Geschichte natürlich nicht – die dokumentierte Entstehung der weichen Kräuterprinte, wie wir sie heute kennen, geht auf die Napoleonische Kontinentalsperre und den Aachener Bäcker Henry Lambertz um 1820 zurück. Doch die Printensage zeigt, wie tief die Aachener Printe im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert ist – so sehr, dass die Aachener ihrem liebsten Gebäck sogar eine eigene, mit Karl dem Großen verwobene Entstehungslegende geschenkt haben. Zusammen mit der Dombausage und der Lousbergsage reiht sich die Printensage damit in den großen Aachener Sagenkreis rund um Teufel, Domschatz und den ersten Kaiser der Stadt ein.
Eine Süßigkeit mit doppelter Geschichte
Ob Napoleon oder Teufelspakt – am Ende erzählen beide Geschichten dasselbe: dass die Aachener Printe aus einer Mischung aus Notwendigkeit, Cleverness und einer gehörigen Portion Stadtstolz entstanden ist. Wer beim nächsten Bissen in eine Kräuterprinte an den überlisteten Teufel denkt, hat der Spezialität eine zusätzliche, ganz eigene Würze hinzugefügt.








