Die Rache des überlisteten Teufels
Wer schon einmal auf dem Lousberg stand und sich über die grüne Erhebung mitten im Aachener Talkessel gewundert hat, kennt vielleicht noch nicht die Geschichte dahinter. Die Lousbergsage erzählt, wie aus der Wut eines betrogenen Teufels der Hausberg der Aachener wurde – eine direkte Fortsetzung der berühmten Dombausage und eine der schönsten Legenden der Stadt.
Ein Teufel auf Rachefeldzug
Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: Beim Bau des Aachener Doms hatten die Ratsherren dem Teufel die Seele des Ersten versprochen, der den fertigen Dom betreten würde – und ihn dann mit einem Wolf um seinen Lohn betrogen.
Der Teufel, gedemütigt und rasend vor Wut, konnte diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen. Er fasste einen finsteren Plan: Wenn er schon nicht die erhoffte Seele bekommen hatte, dann sollte wenigstens die ganze Stadt untergehen – Dom, Bürger und alles, wofür die Aachener sich so listig eingesetzt hatten.

Der weite Weg von der Nordsee
Für sein Vorhaben lief der Teufel bis an die Nordsee und füllte dort zwei gewaltige Säcke mit feinstem Sand – genug, um Dom und Stadt unter einer Düne zu begraben. Beladen mit dieser enormen Last machte er sich auf den langen Rückweg Richtung Aachen.
Der Weg war weit, die Säcke schwer, und der Wind blies ihm unentwegt ins Gesicht, sodass er kaum vorankam. Erschöpft erreichte er schließlich die Gegend der heutigen Soers, kurz vor den Toren der Stadt – und brauchte dringend eine Verschnaufpause.

Die schlaue Marktfrau
Ausgerechnet in diesem Moment der Schwäche begegnete dem Teufel eine Marktfrau, die auf dem Weg nach Aachen war. Ungeduldig fragte er sie, wie weit es denn noch bis zur Stadt sei. Die Frau, klug und wachsam, erkannte den Teufel sofort an seinem charakteristischen Pferdefuß – und durchschaute in Sekundenschnelle, dass hier etwas Böses im Gange war.
Statt in Panik zu geraten, ergriff sie die Gelegenheit zu einer List: Sie zeigte dem Teufel ihre völlig abgelaufenen, kaputten Schuhe und erklärte, diese habe sie doch erst kürzlich in Aachen gekauft – so unglaublich weit sei der Weg noch, dass selbst neue Schuhe auf ihm zerschlissen.
Zwei Säcke, zwei Berge
Der Teufel, ohnehin am Ende seiner Kräfte und nun zusätzlich entmutigt von der scheinbar unüberwindbaren Distanz, verlor endgültig den Mut zu seinem Rachefeldzug. Wütend und erschöpft warf er die beiden prall gefüllten Sandsäcke einfach zu Boden und ließ von seinem Vorhaben ab.
Aus den beiden Sandhaufen, die er zurückließ, entstanden der Lousberg und sein kleinerer Nachbar, der Salvatorberg – bis heute zwei markante Erhebungen im sonst flachen Aachener Talkessel. Tatsächlich bestehen beide Hügel geologisch aus reinem Meeressand, in dem sich sogar Muschelreste finden lassen – ein Detail, das der Sage einen ganz eigenen, fast wissenschaftlichen Charme verleiht.

Dem Teufel zu schlau
Aus dieser doppelten Niederlage des Teufels entstand ein Sprichwort, das man in Aachen bis heute kennt: „De Oecher sin dem Düvel ze lous“ – die Aachener sind dem Teufel zu schlau. Zur Erinnerung an die kluge Marktfrau und ihren Sieg über den Teufel steht seit 1985 am Fuß des Lousbergs das Denkmal „Teufel und Marktfrau“ der Künstlerin Krista Löneke-Kemmerling, das die berühmte Begegnung in Bronze festhält.
Wer auf dem Lousberg spazieren geht, läuft im wahrsten Sinne des Wortes über die Reste eines gescheiterten Racheplans – ein schöner Gedanke bei jedem Blick über die Stadt vom Gipfelplateau aus.





