Weltkunst in einer Aachener Schirmfabrik
Das Ludwig Forum für Internationale Kunst ist eines der ungewöhnlichsten Museen Deutschlands – und eines der aufregendsten. Untergebracht in einer ehemaligen Schirmfabrik aus dem Jahr 1928, die täglich bis zu 10.000 Schirme produzierte und 1988 ihren Betrieb einstellte, präsentiert es heute internationale Gegenwartskunst auf höchstem Niveau. Die Kombination aus Bauhaus-Architektur, weitläufigen Fabrikhallen und experimenteller Kunst schafft eine Atmosphäre, die es in Deutschland so kein zweites Mal gibt.
Das Sammlerpaar hinter dem Museum: Peter und Irene Ludwig
Das Ludwig Forum wäre ohne Peter und Irene Ludwig nicht denkbar. Das Aachener Sammlerpaar gehörte zu den bedeutendsten Kunstmäzenen des 20. Jahrhunderts – und zu den ersten Sammlern weltweit, die die amerikanische Pop Art als ernstzunehmende Kunstbewegung erkannten. Ihre erste Präsentation junger amerikanischer Pop Art in Aachen 1968 war ein echter Paukenschlag und führte zur Gründung der „Neuen Galerie – Sammlung Ludwig“, geleitet vom Aachener Museumsdirektor Wolfgang Becker. Werke von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Duane Hanson und Chuck Close fanden früh ihren Weg in die Sammlung – heute sind es weltberühmte Ikonen der Kunstgeschichte.
Peter und Irene Ludwig schenkten und liehen im Laufe der Jahrzehnte Aachen, Köln, Basel, Budapest, Wien, St. Petersburg und vielen weiteren Städten bedeutende Teile ihrer Sammlung – und begründeten damit ein weltweites Netzwerk von Ludwig-Museen. Das Aachener Haus ist das Stammhaus dieser Bewegung.
Die Sammlung
Mit über 3.000 Werken aus fünf Kulturregionen – Europa, Nordamerika, Osteuropa, Lateinamerika und Asien – ist die Sammlung des Ludwig Forums eine der vielfältigsten internationalen Kunstsammlungen Deutschlands. Schwerpunkte bilden die amerikanische Pop Art und der Fotorealismus der 1960er und 70er Jahre, die europäischen Kunstströmungen der Nachkriegszeit sowie – besonders herausragend – eine umfangreiche Sammlung kubanischer und lateinamerikanischer Kunst, die durch frühe Ankäufe in den 1990er Jahren zusammengetragen wurde.
Auch osteuropäische Kunst aus der Zeit des Kalten Krieges hat im Ludwig Forum einen wichtigen Platz: Werke aus Bulgarien, Russland, der DDR und anderen Ostblockstaaten zeigen eine Perspektive auf die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, die in westdeutschen Museen lange kaum präsent war. Das Ludwig Forum versteht sich bewusst als Ort des vorurteilsfreien Zugangs zu Kunst aus aller Welt.
Das Gebäude – Bauhaus trifft Gegenwartskunst
Die ehemalige Schirmfabrik Emil Brauer wurde 1928 im internationalen Stil errichtet – mit klaren Linien, großen Fensterfronten und rotem Klinker, der das Gebäude weithin sichtbar macht. Die hallenartigen Produktionsräume sind ideal für großformatige Kunst und Installationen. Der Umbau zum Museum bewahrt den industriellen Charakter des Gebäudes bewusst – und macht so die Begegnung zwischen der nüchternen Fabrikarchitektur und der lebendigen Gegenwartskunst zu einem eigenen ästhetischen Erlebnis.
Ausstellungen und Programm
Das Ludwig Forum zeigt seinen Bestand in thematisch gegliederten Wechselausstellungen, die immer wieder neue Verbindungen zwischen Werken, Epochen und Kulturregionen herstellen. Dazu kommen regelmäßige Gastpräsentationen namhafter zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler sowie ein lebendiges Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Konzerten und Kunstgesprächen. Jeden Sonntag um 15 Uhr findet eine öffentliche Führung statt.
Besucherinformationen
Das Ludwig Forum befindet sich in der Jülicher Straße 97–109, rund 20 Gehminuten von der Aachener Altstadt entfernt. Mit den Buslinien 1, 11 oder 21 bis zur Haltestelle „Ludwig Forum“ ist es in einer Minute erreichbar. Donnerstags hat das Museum bis 20 Uhr geöffnet. Aktuelle Öffnungszeiten, Eintrittspreise und das Ausstellungsprogramm finden Sie auf ludwigforum.de







