Öcher Fastelovvend – die fünfte Jahreszeit
Wenn am 11.11. um 11:11 Uhr die Session eröffnet wird, beginnt in Aachen eine der lebendigsten Traditionen der Stadt: der Öcher Fastelovvend, wie der Aachener Karneval im Aachener Platt heißt. Als Teil des Rheinischen Karnevals reicht die Tradition bis ins 19. Jahrhundert zurück – und ist bis heute tief in der Gesellschaft der Kaiserstadt verwurzelt. Wer Aachen im Februar besucht, erlebt eine Stadt, die für ein paar Tage komplett ihren eigenen Regeln folgt.
Geschichte: Von der Franzosenzeit zur eigenen Tradition
Die Wurzeln des Aachener Karnevals reichen zurück in die Zeit der französischen Besatzung zwischen 1794 und 1814. Aachen war damals Verwaltungssitz des Département de la Roer – und aus dieser Zeit stammen die ersten uniformierten Karnevalsgesellschaften, die dem Aachener Karneval bis heute seinen organisierten, traditionsbewussten Charakter geben. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten sich zahlreiche Vereine, Zünfte und Gesellschaften, die jedes Jahr die Session mit Sitzungen, Bällen und Umzügen gestalten.
Die Höhepunkte der Session
Der Karneval in Aachen kennt seine eigenen festen Termine und Rituale. An Weiberfastnacht übernehmen die „Öcher Fraulü“ symbolisch das Kommando im Rathaus. Zur Prinzenproklamation wird der neue Karnevalsprinz mit einem musikalischen Programm vor hunderten Besuchern im Krönungssaal des Rathauses feierlich inthronisiert. Höhepunkt der Straßensession sind der Kinderkostümzug und der Rosenmontagszug, zu dem regelmäßig weit über 100.000 Jecken die Aachener Innenstadt bevölkern. Wenn dann „Alaaf! D’r Pinz kütt“ durch die Straßen schallt, ist klar: Der Karneval ist tief im Herzen der Stadt verankert.
Der Bäckerball – eine Institution seit über 70 Jahren
Zu den ältesten und beliebtesten Bällen der Session zählt der Bäckerball des Karnevalsvereins der Aachener Bäcker – seit weit über sieben Jahrzehnten ein fester Termin im Aachener Karnevalskalender. Traditionell im Eurogress ausgetragen, verbindet der Bäckerball ein aufwendiges Sitzungsprogramm mit anschließendem Kostümball: Tanzgruppen, Musikkapellen, der feierliche Einmarsch des Prinzen mit seinem Hofstaat und der Prinzengarde – und danach wird bis in den frühen Morgen gefeiert. Mit mehreren tausend Besuchern gehört der Bäckerball zu den größten und stimmungsvollsten Veranstaltungen des Öcher Fastelovvend.
Sprache und Eigenheiten
Der Aachener Karneval hat seine ganz eigene Sprache: Aachener Platt prägt Sessionsmottos, Karnevalslieder und die Rufe auf der Straße. „Oche Alaaf“ ist der Ruf, mit dem die Stadt begrüßt wird, „Ruesemonndag“ der Aachener Name für Rosenmontag. Neben den traditionsreichen, teils über hundert Jahre alten Vereinen hat sich seit 1991 mit der Strunxsitzung auch eine bewusst alternative Form des Karnevals etabliert – ein Beleg dafür, wie lebendig und vielfältig sich der Öcher Fastelovvend bis heute weiterentwickelt.
Karneval erleben
Wer den Aachener Karneval erleben möchte, sollte sich die Session von Anfang November bis Aschermittwoch merken – mit dem Höhepunkt in den Tagen vor Rosenmontag. Tickets für Sitzungen und Bälle wie den Bäckerball sind gefragt und sollten frühzeitig gesichert werden. Wer keine Karten bekommt: Der Straßenkarneval mit den großen Umzügen ist für alle frei zugänglich und mindestens genauso stimmungsvoll.







