Europas bedeutendste Auszeichnung – aus Aachen
Jedes Jahr im Mai, wenn die Kastanien blühen und die Kaiserstadt im Frühlingslicht liegt, versammeln sich im Krönungssaal des Aachener Rathauses Staatsmänner, Politiker und Persönlichkeiten aus ganz Europa zu einem der bedeutendsten Momente im europäischen Kalender: der Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen. Es ist die älteste und renommierteste europäische Auszeichnung – und sie kommt aus einer Stadt, die bereits zu Zeiten Karls des Großen Mittelpunkt Europas war.
Entstehung nach dem Zweiten Weltkrieg
Die Geschichte des Karlspreises beginnt in den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Aachen war 1944 die erste deutsche Großstadt, die von alliierten Truppen eingenommen wurde – die Stadt lag in Schutt und Asche, die Bevölkerung war traumatisiert und evakuiert. In dieser Zeit des Umbruchs gründete der Aachener Textilkaufmann Dr. Kurt Pfeiffer den Lesekreis „Corona Legentium Aquensis“, der Intellektuellen, Wissenschaftlern und Kulturschaffenden einen Raum für freien Austausch bot – ein dringend benötigter Neuanfang nach Jahren geistiger Isolation.
In diesen Diskussionen entstand die Idee, aktiv zur europäischen Einigung beizutragen. Am 19. März 1950 wurde die Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Karlspreises gegründet. Noch im selben Jahr, am 20. Dezember 1950, fand die erste Verleihung statt – an Richard Graf von Coudenhove-Kalergi, den Begründer der Paneuropabewegung. Der Karlspreis war damit der erste politische Preis im Nachkriegsdeutschland.
Was der Karlspreis auszeichnet
Der Karlspreis wird jährlich an Persönlichkeiten oder Institutionen verliehen, die sich in besonderer Weise um die europäische Einigung verdient gemacht haben – „in politischer, wirtschaftlicher und geistiger Beziehung“. Die Auszeichnung besteht aus einer Urkunde, einer Medaille und einem Preisgeld von 5.000 Euro. Aber der eigentliche Wert liegt nicht im Geld: Es ist die Symbolik des Ortes, der Geschichte und der Gemeinschaft, die den Karlspreis so bedeutsam macht.
Bedeutende Preisträger
Die Liste der Karlspreisträger liest sich wie ein Who’s who der europäischen Geschichte: Winston Churchill, Jean Monnet, Konrad Adenauer, Robert Schuman, Helmut Kohl, François Mitterrand, König Juan Carlos I. von Spanien, Papst Johannes Paul II., Bill Clinton, Tony Blair, Henry Kissinger, Emmanuel Macron und viele weitere Staatsmänner und Institutionen – darunter das Europäische Parlament und der Euro selbst als gemeinsame europäische Währung.
2026 wurde der Preis am 14. Mai im Krönungssaal verliehen, mit Bundeskanzler Friedrich Merz und dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis als Festrednern sowie Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, beim festlichen Dinner am Vorabend.
Der Karlspreis und Aachens Identität
Der Karlspreis ist mehr als eine Auszeichnung – er ist Ausdruck der tiefen europäischen Identität Aachens. Eine Stadt, die einst Hauptresidenz des ersten „Kaisers Europas“ war, setzt damit jedes Jahr ein Zeichen für ein vereintes, friedliches Europa. Die Verleihung im Krönungssaal des Rathauses – genau dort, wo einst die deutschen Könige nach ihrer Krönung empfangen wurden – macht dieses Zeichen besonders eindrücklich. Weitere Informationen auf karlspreis.de







