Wo der Teufel in Aachen sein Unwesen trieb
Aachen ist eine Stadt mit 1.200 Jahren Geschichte – und wo so viel Geschichte ist, wachsen auch Sagen. Die Aachener Sagen und Legenden ranken sich vor allem um den Bau des Doms und einen Teufel, der von den listigen Aachenern gleich mehrfach überlistet wurde. Wer die Stadt besucht, läuft ständig an Orten vorbei, die in diesen jahrhundertealten Geschichten eine Rolle spielen – vom Domportal bis zum Lousberg. Ein Überblick über die wichtigsten Sagen der Kaiserstadt – jede davon mit einem eigenen, ausführlichen Artikel zum Weiterlesen.
Die Dombausage – der Pakt mit dem Teufel
Die bekannteste und älteste der Aachener Sagen erzählt vom Bau des Doms selbst. Der Legende nach fehlte den Aachener Ratsherren das Geld, um den prächtigen Dom fertigzustellen. In ihrer Not ließen sie sich auf einen Handel mit dem Teufel ein: Er sollte den Bau finanzieren – im Gegenzug sollte ihm die Seele dessen gehören, der als Erster den fertigen Dom betritt. Die Aachener überlisteten ihn, indem sie statt eines Menschen einen Wolf durch das Portal jagten. Der wütende Teufel schlug die Tür so heftig zu, dass sein Daumen im Türring stecken blieb – der berühmte „Teufelsdaumen“, der bis heute am Hauptportal des Doms zu sehen ist.
Die Lousbergsage – Rache mit zwei Sandsäcken
Die Geschichte endet dort aber nicht. In der direkten Fortsetzung, der Lousbergsage, sinnt der gedemütigte Teufel auf Rache. Er läuft bis zur Nordsee, füllt zwei riesige Säcke mit Sand und schleppt sie zurück in Richtung Aachen – mit dem Plan, die gesamte Stadt samt Dom unter einer Sanddüne zu begraben. Kurz vor der Stadt trifft er auf eine schlaue Marktfrau, die ihn mit einer List erneut überlistet. Entmutigt wirft der Teufel seine Säcke zu Boden – daraus entstehen der Lousberg und der Salvatorberg. Bis heute erinnert das Sprichwort „De Oecher sin dem Düvel ze lous“ an diese zweite Niederlage.
Die Klappergassensage – Skelette zur Domweihe
Auch die Einweihung des fertigen Doms hält eine eigene Sage bereit. Der Überlieferung nach sollten zur feierlichen Domweihe 365 Bischöfe anreisen – doch am Vorabend waren erst 363 eingetroffen. Damit die Zeremonie dennoch vollständig stattfinden konnte, ließ Gott zwei bereits verstorbene Bischöfe aus Maastricht wieder auferstehen. Als Skelette machten sie sich klappernd auf den Weg nach Aachen – und gaben so einer kleinen Gasse in der Altstadt ihren bis heute erhaltenen Namen: die Klappergasse.
Die Printensage – Erfindung aus der Not
Auch die Aachener Printe hat ihre eigene Legende – neben der historisch belegten Napoleon-Geschichte kursiert in Aachen eine zweite, sagenhaftere Version. Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1656 erkannte ein findiger Bäckerjunge in einem Aachener Gelehrten den Teufel, der es auf den Domschatz abgesehen hatte – und handelte im Austausch für einen Hinweis auf die Grabstätte Karls des Großen ein Gebäck-Rezept heraus, das der Kaiser einst besonders geliebt haben soll. So entstand, der Sage nach, die Aachener Printe.
Der Bahkauv – die Sagengestalt aus der Unterwelt
Neben den Dom-Sagen hat Aachen mit dem Bahkauv noch eine eigenständige Sagengestalt zu bieten – ein schuppiges Mischwesen, das im Abwasserkanal der Thermalquellen am Büchel gehaust haben soll und besonders volltrunkenen Nachtschwärmern auf dem Heimweg einen gehörigen Schrecken einjagte. Bis heute lebt die Figur in Aachener Karneval und Gastronomie weiter.
Warum diese Sagen bis heute lebendig sind
Was die Aachener Sagen besonders macht, ist ihre Verankerung im echten Stadtbild: Der Teufelsdaumen lässt sich am Dom noch heute besichtigen, das Marktfrau-Denkmal steht real am Lousberg, die Klappergasse existiert bis heute als Straßenname. Wer mit diesem Wissen durch Aachen geht, sieht die vertrauten Orte plötzlich mit anderen Augen – und versteht, warum die Aachener ihren Teufel-überlistet-Geschichten bis heute mit einem Augenzwinkern erzählen.






