Die letzten Wächter der mittelalterlichen Stadt
Von den einst elf Stadttoren der mittelalterlichen Stadtbefestigung Aachens stehen heute noch zwei: das Ponttor im Norden und das Marschiertor im Süden. Beide wurden im 14. Jahrhundert als Teil des zweiten Stadtbefestigungsrings errichtet – der sogenannten Gotischen Mauer – und beide sind bis heute in einem Zustand erhalten, der sie zu den eindrucksvollsten mittelalterlichen Torbauten in ganz Deutschland macht.
Wer Aachen besucht, sollte beide gesehen haben.
Das Ponttor – Nördliches Eingangstor der Kaiserstadt

Das Ponttor, fertiggestellt um 1320, bewachte den nördlichen Zugang zur freien Reichsstadt Aachen. Es ist eine komplexe Wehranlage mit Hauptturm, Vortor und ehemals einem Wassergraben – ausgestattet mit Fallgatter, Pechtraufe und schmalen Schießscharten für Bogenschützen. Die Stadtmilizen der Freien Reichsstadt hielten hier Wache und kontrollierten, wer die Stadt betrat oder verließ.
Der Name „Ponttor“ führt dabei auf eine kleine Verwechslung zurück: Nicht eine Brücke gab dem Tor seinen Namen, sondern das Pontviertel, in dem es liegt – und das Pontviertel wiederum wurde nach einer Brücke benannt.
Das Tor steht heute am Rand des gleichnamigen Studentenviertels und markiert für viele Aachener und Besucher den Eingang in die Altstadt. Im Inneren verteilen sich auf drei Ebenen gewölbte Hallen, die heute von Pfadfindergruppen genutzt werden.
Das Marschiertor – Südlicher Riese der Stadtbefestigung

Das Marschiertor, ebenfalls um 1300 errichtet, ist mit seinen rund 25 Meter hohen Doppeltürmen die mächtigere der beiden Toranlagen. Es bildete den südlichen Hauptzugang zur Stadt und war mit seinen flankierenden Rundtürmen, einem Waffensaal und Verließen im Erdgeschoss eine vollständige Verteidigungsanlage. Der Name leitet sich vermutlich davon ab, dass hier Truppen und Händler „marschierten“ – also aus der Stadt hinaus- oder hineinzogen.
Das Marschiertor steht heute im Süden der Innenstadt und beeindruckt noch immer durch seine massive Präsenz. Ein ursprüngliches Vortor, das dem noch erhaltenen Vortor des Ponttors ähnelte, wurde im 17. Jahrhundert nach dem großen Stadtbrand abgerissen. Die Wendeltreppen in den Rundtürmen, der außenliegende Aborterker und der Waffensaal machen das Tor zu einem seltenen Zeugnis mittelalterlicher Militärarchitektur.
Stadtmauer – Mehr als nur Tore
Ponttor und Marschiertor sind die bekanntesten, aber nicht die einzigen Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Wer mit offenen Augen durch Aachen geht, entdeckt weitere Spuren: den Langen Turm, den Marienturm, den Pfaffenturm und den Adalbertsturm, dazu Mauerreste entlang des Templergraben, des Seilgraben und der Pontstraße.
Die berühmte Barbarossamauer – der erste Stadtbefestigungsring aus dem 12. Jahrhundert – ist an einigen Stellen noch sichtbar, unter anderem im Restaurant Magellan, wo ein Mauerrest ins Innere des Lokals integriert wurde.
Ponttor & Marschiertor besuchen
Beide Tore sind von außen frei zugänglich und jederzeit zu besichtigen. Das Ponttor liegt am Pontwall, fußläufig vom Aachener Dom und dem Pontviertel. Das Marschiertor befindet sich an der Südseite der Innenstadt, ebenfalls gut zu Fuß erreichbar. Beide Tore sind beliebte Fotomotive – besonders in den Abendstunden, wenn die Beleuchtung die Steine in warmes Licht taucht.















